Eindrücke zu Zenwalk

  • Ein paar Eindrücke von Zenwalk 7.0



    Bei Zenwalk handelt es sich um eine Linux-Distribution die auf Slackware aufbaut, sozusagen dem Urgestein aller Distributionen. Damit dürfte auch ziemlich klar sein das die anvisierte Zielgruppe nicht gerade Neueinsteiger in Sachen Linux und wahrscheinlich auch nicht der durchschnittliche Nutzer von ubuntu ist. Im Gegensatz zum puren Slackware macht es einem Zenwalk schon erheblich leichter, der Xfce-Desktop verfügt über eine recht brauchbare Vorkonfiguration und es gibt auch das eine oder andere Helferlein. Der größte Vorteil von Zenwalk liegt jedoch im automatischen Auflösen von Paketabhängigkeiten. Meistens zumindest würde ich jetzt sagen, denn im Zuge meiner Installation hat genau dies gelegentlich nur unzureichend funktioniert. Findet man mit den Anwendungen der Standard-Installation weitestgehend sein Auslangen gestaltet sich Zenwalk erstaunlich unkompliziert. Das System ist sehr schnell installiert und fühlt sich sehr flott und responsiv an. Thunar ist quasi sofort mit dem Mausklick geöffent und den Firefox 3 habe ich auf meinem Rechner auch noch nicht so schnell starten gesehen. Wer mehr will und Wert auf Samba, den MPD usw. und auf ein größeres Anwendungsspektrum legt, der sollte sich zum einen mit dem Editieren und Erstellen von den entsprechenden Konfigurationsdateien anfreunden und Zeit und ein wenig Geduld mitbringen. Das Paketmanagement (so man es denn überhaupt so bezeichnen darf) fordert einem nämlich beides ab. Wer diese Zeit investieren mag darf sich dann an einer schlanken und maßgeschneiderten Distribution erfreuen. Doch alles der Reihe nach...


    Webseite der Distribution: www.zenwalk.org
    Download der Standard-Edition: http://www.zenwalk.org/modules/tinycontent/index.php?id=30


    Der Download der Standard-Edition beträgt 583MB und bringt auch schon Libre Office in der Version 3.3.1 mit. Der Installationsvorgang erinnert mich ein wenig an schon etwas zurück liegende Zeiten. Die Installation gliedert sich im Wesentlichen in folgende Einzelschritte auf:


    - Festlegen der Keymap
    - Partitionierung mit Cfdisk (falls benötigt)
    - Installation (auch eine "automatisierte Installation" wird angeboten)
    - Einrichtung von LiLo
    - Anlegen eines Users


    Mit Lilo hat man es mit einem Relikt aus der Vergangenheit zu tun. Wer mag kann später Grub2 installieren und LiLo ersetzen. Das Entpacken von der CD nahm einige Zeit in Anspruch. Alternativ besteht auch die Möglichkeit von der Live-CD zu booten und diese zu installieren. Das geht flotter vor sich, allerdings kann man dann auf einiges keinen Einfluß mehr nehmen. Das umfasst auch die Partitionierung, bei der Live-CD wird alles in die root-Partition kopiert. Eine Installationsanleitung für die Live-CD findet sich hier:


    http://www.zenwalk.org/modules/tinycontent/index.php?id=43


    Allerdings ist das dort noch angeführte root-Passwort nicht mehr korrekt bei der Version 7.0. Genau genommen ist keines mehr vorhanden und dann ist es mit der Installation auch schon vorbei. Das Passwort ist beim Start von der CD als Bootparameter mitzugeben, also z.B. rootpw=wasauchimmer. Für fraglich halte ich auch wie sich LiLo mit den neueren Windows-Versionen "versteht" wenn dieser auf den MBR losgelassen wird. Eventuell ist eine Installation des Bootloaders in den Boot-Block der Linux-Partition die klügere Variante.



    Nach dem Abschluss der Installation mit anschließendem Reboot findet man sich nach dem Einloggen am Xfce-Desktop wieder. Leider hier im Falle von Zenwalk bei Xfce 4.8, der im Vergleich zu Xfce 4.6.2 noch so einige Schönheitsfehler und Unzulänglichkeiten mitbringt. Die zukünftigen Updates werden es hoffentlich richten. Schickes Artwort übrigens, sollte auch erwähnt werden. Die Gestaltung mit den zwei Menüleisten war jedoch nie mein Fall, halt auch eine Sache der Gewöhnung. Nachdem man nun kurz einen Blick auf den Desktop geworfen hat empfiehlt es sich auch schon diesen wieder zu verlassen um die vorhandenen Aktualisierungen einzuspielen.


    Ein init 3 befördert einen zum Zenwalk login, bei diesem als root einloggen und ein netpkg upgrade durchführen. Damit wird nach nochmaliger Rückfrage das gesamte System aktualisiert. Das nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch, dennoch kann man das System nicht sich selbst überlassen und nur dieses die Arbeit tun lassen. Man ist halt doch verwöhnt von anderen Distributionen. Des öfteren fragt Zenwalk nämlich nach ob bestimmte Updates installiert oder übersprungen, Konfigurationsdateien überschrieben oder die alten beibehalten werden sollen. Hier wird auch immer wieder „merge“ angeboten, Als und neu zusammenwürfeln, lasst die Finger davon, ist fast immer ein ganz, ganz schlechte Idee. Wer sich nicht sicher ist- an die Empfehlung des Systems halten, was immer die 1. ist. „Failsafe“ ist aber diese Methodik nicht, also immer Augen auf wozu man zustimmt oder nicht. Geht alles glatt erblickt man den Xfce-Desktop nach einem init 4 dann erneut wieder. ;-)


    Die Softwareauswahl ist gut durchdacht, für die wichtigsten Bereiche ist bereits jeweils eine Anwendung vorinstalliert. Libre Office, Gimp als Bildbearbeitung, Totem als Videoplayer usw. Als Browser kommt Icecat zum Einsatz, Email heisst Icedove und im Prinzip ist diese Kombination nichts anderes als das gewohnte Firefox/Thunderbird-Gespann. Nach den Aktualisierungen sollte man Zenwalk nun die enstprechenden Lokalisierungen beibringen. Dieses erfolgt mit Klick auf das Anwendungsmenü und Einstellungen, Kontrollzentrum.



    Das Zenwalk System-Kontrollzentrum:



    Hier Sprache und Layout der Tastatur korrekt einstellen. Abgesehen von dem was Xfce noch so mibringt stellt Zenwalk, was die Konfiguration betrifft, keine weiteren Helferlein parat. Wer etwas vom Schlage der System-config-tools von Fedora oder gar ein Yast erwartet wird mit dieser Distribution wahrscheinlich auf Dauer nicht glücklich werden. Was die Lokalisierung betrifft war es das noch nicht, es sind noch einige Sprachpakete für die diversen Anwendungen zu installieren. Ansonsten gibt es Icecat/Icedove, Libre Office usw. nur in Englisch. Dazu bedient man sich des grafischen Paketmanagements. Das hört auf den Namen Xnetpkg, netpkg auf der Konsole haben wir bereits kennengelernt. Anwendungsmenü – Einstellungen (oder System) – Netpkg und das grafische Tool startet:



    Hier unter Lokalisierung die benötigten Pakete (de) in die Auswahl übernehmen und danach diese installieren. Falls im nun erscheinenden Fenster die Frage nach „Abhängigkeiten mitinstallieren?“ unbedingt den Haken in das Auswahlfenster setzen. Damit ist Zenwalk zumindest mal die deutsche Sprache beigebracht. Die Menüs wirken auf den ersten, zweiten und vielleicht auch dritten Blick sehr überladen, sind aber zumindest alphabetisch sortiert, was die Navigation etwas vereinfacht. Häufiger benötigte Anwendungen wird man sich ohnehin auf den Desktop oder in die Leiste legen.


    Ein Wort noch zu einem der nach wie vor existierenden Nachteile von Xfce – es gibt nämlich keinen brauchbaren Editor für das Menü. Unter 4.6.2 gab es gar keinen und unter Fedora hat es mich Stunden gekostet das Menü so zurechtzubasteln wie ich es gerne habe. Das passiert nämlich durch das Edititieren der Menüdateien, was eine recht umständliche und zeitaufwändige Angelegenheit ist. Mit Xfce 4.8 wollte man es den Anwenderen wieder einfacher machen und liefert einen Editor mit der auf den Namen Alacarte hört. Dieser stammt aus der Gnome-Desktopumgebung und meiner bescheidenen Meinung nach ist das Teil unter Xfce schlimmer als wenn sie weiterhin keinen Editor mitgeliefert hätten. Mit Alacarte kann man zwar im Menü sortieren, jedoch nur sehr rudimentär. Darüber hinaus dient er vorzüglich dazu sich das ganze Menü nachhaltig zu zerschießen. Man kann auch keine weiteren Rubriken oder Ordner erstellen, das wird sofortig mit einer Fehlermeldung quittiert. Schließt man den Editor verschieben sich Einträge, Abmelden findet sich plötzlich unter Netzwerk wieder und ähnlicher Blödsinn. Einmal konnte das Menü nach der Bearbeitung durch Alacarte nichtmal mehr geöffnet werden. Menu.xml beschädigt hieß es da, dumm wenn man keine Sicherung der Datei hat. Dann heisst es rücksetzen und nochmal von vorne. Die Bearbeitung der Menüeinträge mit Alacarte ist zumindest momentan noch eine Katastrophe sondergleichen. Gut gemeint wahrscheinlich, aber eben eine absolut nicht funktionierende Angelegenheit. Ich für meinen Teil empfehle mit Nachdruck die Finger davon zu lassen.


    Das war es fürs erste und für heute. In den nächsten Tagen geht es dann weiter mit der Einrichtung der Programme....


    Hier noch der Desktop mit und ohne diverse Anwendungen:


    Symbole: Tango
    Theme: Clearlooks dark
    Fensterdekoration: Shiki



  • Hallo Vienna,
    schöner Bericht.


    Was ich überhaupt nicht verstehe, wieso Lilo eingesetzt wird.
    Sehe da überhaupt keinen Sinn.


    Icecat kannte ich noch gar nicht.
    So weit ich jetzt informiert bin, ist Icecat aus Iceweasel (Debian) entstanden. Während bei Iceweasel Logos und Kleinigkeiten ausgetauscht werden, wird bei Icecat der Sourcecode verändert..
    Auf der Homepage steht zwar, Besides the sources, a binary release for GNU/Linux / x86 (32 bit) is available....aber ich finde nichts :(


    Zitat

    Paketmanagement (so man es denn überhaupt so bezeichnen darf) fordert einem nämlich beides ab


    Kompliziert? Oder was meinst du?

  • Hallo,


    die Verwendung des LiLo erschließt sich mir auch nicht wirklich. Ich hatte das letzte Mal mit Lilo bei Suse 7 oder 8 zu tun. Kann mir nicht vorstellen das die Verwendung von Lilo praktische Vorteile mit sich bringt. Zumindest die Beschränkung auf die Installation innerhalb der 1024 Zylindergrenze scheint nicht mehr existent. Vielleicht hat es irgendwelche ideologischen Gründe, auch bei Slackware findet dieser Bootloader nach wie vor als Standard Verwendung. Jedes Kernelupdate sorgt schon dafür das Lilo neu konfiguriert werden muss, weil ansonsten das System nicht mehr startet. Da ist Grub schon erheblich komfortabler und bietet insgesamt mehr was dessen Möglichkeiten betrifft. Das komfortabel beziehe ich jedoch ausschließlich auf Grub, nicht auf Grub 2. Wer mag kann Grub 2 über die offiziellen Paketquellen nachinstallieren. Bei der Wahl zwischen LiLo und Grub 2 gebe ich für meinen Teil ersterem klar den Vorzug. Generell scheint mir Zenwalk ein wenig der Zeit hinterherzuhinken, denn LWM, Disk Encryption und auch Raid werden off. nicht unterstützt. Alles Sachen die ein Fedora schon seit nunmehr einigen Jahren quasi "out of the box" beherrscht. Einfach in Anaconda auswählen und der Installer erledigt alles weitere. Slackware bringt diese Funktionalitäten mit, wer mag kann durchaus sein Glück mit den entsprechenden Slackware-Paketen unter Zenwalk versuchen. Empfehlen würde ich es jedoch nicht, da scheint es mir sehr viel sinniger sich gleich für Slackware zu entscheiden. Da ich jedoch weder Raid, LVM oder gar Disk Encryption benötige stellt es für meine Person gesprochen soweit auch keine Einschränkung dar.


    Von den diversen Firefox-Abwandlungen bin ich weniger angetan, wie schon an anderer Stelle einmal angeführt kann ich diesen Zirkus um dieses Stück Software und dessen Namensgebung nicht verstehen bzw. will dies auch nicht so ganz. Sind denn abgesehen vom Artwork und anderen, fantasiereichen Namen tatsächlich Änderungen vorhanden? Firefox ist im übrigen in der gleichen Versionsnummer (3.6.15) in den Paketquellen vorhanden, allerdings ohne deutsche Lokaliserung. Installiert man beide Browser startet jedoch beim Aufruf von Firefox der Icecat- mit deutscher Oberfläche. :D


    Die Paketverwaltung ist eine Sache für sich, sonderlich pflegeleicht ist die Angelegenheit nämlich oftmals nicht. Es gilt nämlich in Bezug auf Netpkg folgendes zu berücksichtigen


    Zitat

    ...will resolve dependencies where it's able to do so


    Das bedeutet das System tut ein wenig dazu es einem leichter zu machen, sollten jedoch bei einem Programm Abhängigkeiten nicht aufgelöst werden können, hält dies Netpkg dies nicht davon ab das Programm trotzdem zu installieren. In nicht funktionsfähigem Zustand. Ist zumindest mal was anderes. ;D
    Fairerweise muss man jedoch sagen das Netpkg sowohl in der grafischen als auch der Konsolenversion darauf hinweist wenn etwas fehlt. Dies wird dann unter fehlende Ahängigkeiten aufgelistet. Man sollte dies halt auch zur Kenntnis nehmen und Programme möglichst einzeln und nicht in einem Rutsch zu installieren.


    Ein Beispiel: Ich installiere Devede. Diverse zu aktualisierende oder gänzlich fehlende Abhängigkeiten wie eben der MPlayer werden aufgelistet. Ich klicke auf "Abhängigkeiten mitinstallieren". Wer sich wirklich grundlos Arbeit antun möchte kann auch nur auf "Installiere Pakete" klicken. Dann werden Abhängigkeiten erst gar nicht berücksichtigt. Netpkg geht eher gemächlich zu Werke, es werden jeweils die kompletten Pakete vom Server gezogen, etwas vergleichbares zu delta-rpms scheint nicht vorhanden, ebenso eine Entsprechung der hilfreichen Yum-Plugins. Die Vollzugsmeldung erscheint und Devede ist installiert. Ob erfolgreich oder nicht ist dann unter Slackware und dessen Ablegern eine andere Angelegenheit.


    Devede startet und liefert sofort eine Rückmeldung das der MPlayer fehlt. Leichte Verwunderung, denn der wurde doch gerade eben mitinstalliert. Versuch MPlayer-gui zu starten, funktioniert auch nicht. Das erklärt wiederum warum Devede sich beschwert denn der MPlayer ist noch nicht "funktionstüchtig". Der Versuch MPlayer von der Konsole aus zu starten liefert sofort eine präzise Rückmeldung was fehlt. Abhängigkeiten manuell nachinstalliert und beide Programme funktionieren. Ähnliches kam des öfteren vor, wobei es leider nicht immer so einfach zu lösen war bzw. ist. So bekomme ich den MPD noch nicht ans laufen:


    Zitat

    mpd: error while loading shared libraries: libmp3lame.so.0: cannot open shared object file: No such file or directory



    Die erforderlichen libs scheinen mir alle da zu sein, mal sehen ob ich zu dieser Fehlermeldung in den Weiten des Webs mehr finde. Ist halt eine mühsame Angelegenheit bis man alles gewohnte beisammen hat. Wer sich diesen Aufwand nicht antun will ist mit einer auf Slackware basierenden Distribution nicht so gut bedient. Im Grunde kann Zenwalk fast wie ein Rolling Release-Modell behandelt werden. Allerdings gilt auch hier im Falle eines Versionssprungs- Abhängigkeiten werden berücksichtigt soweit es dem System möglich ist. Sind diese nicht erfüllt wird trotzdem installiert. Hier sollte man sehr gut aufpassen, denn die Chance sich sein System nachhaltig zu zuerschießen sind nicht unbedingt klein.


    Die Paketquellen von Zenwalk halten auf jeden Fall die wichtigsten Programme bereit. Dennoch fehlt so einiges. Hier kann man sich ohne weiteres direkt bei Slackware bedienen:


    http://www.slacky.eu/


    Alternativ bietet sich die Möglichkeit maßgeschneiderte Pakete selbst zu erstellen:


    http://www.slackbuilds.org/


    Ist ganz im Groben formuliert etwa vergleichbar mit dem Erstellen eines rpms aus einem src-rpm. Ist keine große Sache, wer ein wenig mit einer Buildumgebung vertraut ist bekommt das in wenigen Minuten hin. Zudem ist auf der Seite eine sehr gute Anleitung mit den erforderlichen Einzelschritten zu finden. Die Slackbuilds enthalten bereits alles was man braucht. Mit einer gewaltigen Einschränkung- um die Erfüllung der Abhängigkeiten muss man sich selbst kümmern, so man den will dass das Programm auch funktioniert.


    Mehr zu Zenwalk 7.0 und ein abschließendes Fazit meiner Wenigkeit folgt dann wahrscheinlich an diesem Sonntag.

  • So, die Probleme mit dem MPD lassen sich durch Installation des folgenden Paketes beilegen:


    http://www.slacky.eu/asche/pkgs/index.php?ver=15&pkg=1158


    Dort findet man auch den Chromium-Browser, die offiziellen Zenwalk-Quellen halten nur den Google-Chrome bereit. Fehlen benötigte Pakete unter Zenwalk kann man sich ohne weiteres bei Slackware bedienen. Ist auch dort nichts "vorgefertigtes" zu finden hat man immer noch die Option sich mit wenig Aufwand bei slackbuilds.org zu bedienen.


    http://www.slacky.eu/asche/pkgs/index.php?ver=15&pkg=247


    Nach der Installation benötigt man noch folgenden Patch damit der Browser läuft:


    http://support.zenwalk.org/vie…6304&hilit=chrome#p146304



    Mein Fazit:


    Nach knappen 14 Tagen mit Zenwalk 7.0 muss ich leider in der Gesamtheit folgendes feststellen - mein Fall ist es nicht und ein Fedora würde ich garantiert nicht dagegen eintauschen. Diese beiden Distributionen könnten kaum gegensätzlicher sein und ich habe den Komfort den einem "moderne Distributionen" mittlerweile bieten schon zu sehr schätzen gelernt. Mit einem Slackware oder deren Ablegern muss man sich sehr viel intensiver auseinander setzen und sie katapultieren einen zurück in eine Zeit in der Linux-Distributionen noch reichlich Ecken und Kanten für den Anwender bereithielten. Wer sich für Zenwalk entscheidet sollte bereit sein zum einen mehr (manchmal auch sehr viel mehr Zeit) zu investieren und zum anderen über ein einigermaßen solides Maß an Erfahrung im Umgang mit Linux zu verfügen.


    Die textbasierende Installationsroutine ist recht gut gelungen, wirkt zwar altmodisch, erledigt ihre Aufgabe jedoch problemlos und flott. Lediglich das Entpacken der einzelnen Bibliotheken, Anwendungen usw. braucht seine Zeit. Sind während der Installation Partitonen oder Medien mit Fat oder NTFS vorhanden (es reicht auch ein angesteckter USB-Stick) so geht der eingesetzte Bootloader LiLo von einem vorhandenen Windows-Betriebssystem aus und versucht dies mit einzubinden und setzt dies bei der Betriebsystemauswahl als Standard.



    Für jeden Datenträger und auch Partition mit einem Windows-Dateisystem wird ein Windows in den Bootloader geschrieben. Die Konfig für Lilo ist in /etc/lilo.conf zu finden. Hier sind unerwünschte Bereiche zu entfernen, in diesem Falle die Zeilen zwischen "Windows bootable partitions". Danach als root liloconfig aufrufen:



    Hier nun auf Recycle und liloconfig auf Basis der nun überarbeiteten Datei neue Einträge erstellen lassen. Nach dem ersten Start erwartet einen ein sehr brauchbar vorkonfigurierter Xfce-Desktop. Schickes Artwork, gute Schriftendarstellung (freetype) und für die wichtigsten Anwendungsbereiche entsprechende Programme. Der Bildbetrachter, Videoplayer und leider auch das Brennprogramm stammen aus der Gnome-Desktopumgebung. Brasero ist mit meinen Brennern nur zu einem zu gebrauchen - sich Rohlinge zu ruinieren. Erfreulicherweise verzichtet Zenwalk auf Pulseaudio. Je nach Anbindung an das Internet kann übrigens netconfig vonnöten sein. Hier sind dem System dann die vorhandenen Gegebenheiten mitzuteilen:



    Im Normalfall sollte einem jedoch Wicd dies abnehmen. Danach wie bereits im ersten Beitrag angeführt die gewünschten Lokalisierungen nachinstallieren. Des weiteren im Kontrollzentrum die Dienste und Startup-Services konfigurieren. Cups wurde (glaube ich, bin mir nicht mehr ganz sicher) nicht automatisch gestartet. Einfach Haken rein bei dem was gewünscht wird. Zenwalk ist sehr schlank gehalten und autom. gestartete Dienste sind auf ein Minimum beschränkt. Den Haken bei "save configuration..." nicht vergessen.



    Proprietäre Software findet unter Zenwalk ihre Verwendung, so findet sich z.B. auch das flash-plugin von Adobe in den off. Paketquellen. Abgesehen den grafischen Helferleins des Kontrollzentrums ist man bei Zenwalk auf den "klassischen Weg" angewiesen. Wie schon geschrieben kümmert sich diese Distribution nur sehr bedingt um Abhängigkeiten. Netpkg versucht dies, erschien mir aber des öfteren wie gut gemeint, aber nicht wirklich immer gekonnt. Verwendet man Slackware-Pakete gibt es überhaupt keine Form des Paketmanagements. Bei der Installation von Programmen, dem Durchführen von Updates usw. kann einem das reichlich Arbeit bescheren. Es kümmert das System nicht wenn sich irgendeine lib nicht mehr mit einem installierten Programm versteht, die Installation wird in jedem Falle durchgeführt. Es gibt diesbezüglich auch keine Rückmeldungen. Der Anwender wird unter Zenwalk sehr viel mehr gefordert als unter anderen Distributionen.


    Slackware-Anhänger sehen und verkaufen einem es vielfach als Vorteil das es keine "moderne Paketverwaltung" unter dieser Distribution gibt. Eine Ansicht die ich nur sehr bedingt, eigentlich überhaupt nicht teile. Bei Zenwalk ist man ganz offensichtlich ebenfalls nicht dieser Ansicht, denn Netpkg versucht sich schon (und sehr häufig auch erfolgreich) im Auflösen von Abhängigkeiten. Dennoch hat mir so manches nicht funktionierende Stunden an Aufwand beschert.


    Zenwalk 7.0 läuft schnell und stabil, sieht man von den Wehwehchen und kleineren Ärgernissen ab die das neue Xfce noch bereithält. Verglichen mit dem Xfce-Spin von Fedora 14 bootet Zenwalk sehr viel flotter. Nachdem eine annähernd gleiche Konfiguration an zu startenden Diensten usw. hergestellt ist, ist im täglichen Umgang kaum ein Unterschied in der Arbeitsgeschwindigkeit feststellbar. Sogar der Arbeitsspeicherverbrauch nach dem Start der Desktiopumgebung (ohne gestartete Anwendungen) fällt bei beiden Systemen mit ca. 130-140MB ziemlich ähnlich aus. Insofern bietet mir Zenwalk kaum Vorteile für mich, aber den Nachteil in Sachen Administration komplexer und sehr viel zeitaufwändiger zu sein. Auch verlasse ich mittlerweile gewohnte Pfade immer weniger gern, dies liegt vielleicht am Alter. :D


    Wer jedoch Wert auf ein maßgeschneidertes Betriebssystem legt und bereit ist dafür die notwendige Zeit aufzuwenden, der ist bei Zenwalk richtig. Ich würde es als komfortableres Slackware bezeichnen, nirgendwo wird einem mehr "pures Linux" geboten. Mit allen Vorteilen, aber auch Nachteilen. Man hat nicht die Option sich näher mit dem System befassen zu können, sondern vielmehr ist man sogar dazu gezwungen. Logischerweise zwangsweise lernt man dabei sehr viel über Linux. Wissen das man in so gut wie jede andere vorhandene Distribution mitnehmen kann. Wer in die Zielgruppe passt kann mit Zenwalk durchaus viel Spaß haben, mir für meinen Teil sind solche Distributionen einfach zu mühsam und zeitaufwändig geworden.

  • Vienna


    Guter Bericht.
    Lob Lob Lob :cheers:
    Was macht eigentlich dein Blog?


    Selur


    XFCE Salix Version habe ich mal kurz Zeit installiert. Ich fand einiges befremdlich..Sehe auch nicht wo der Vorteil gegenüber Debian, oder Fedora sein soll.

  • Was macht eigentlich dein Blog?



    Zumindest bis auf weiteres eingestellt. Die letzten "News" und Artikel waren auch schon viele, viele Monate alt. Wenn man nicht regelmäßig neues bringt macht das keinen Sinn und offen gesagt mein Ehrgeiz in dieser Hinsicht war doch sehr "eingeschlafen".


    Slackware-Derivat mit dem Paketmanager von Arch: http://frugalware.org/
    Weit abseits von Slackware und deren Ablegern gibt es auch noch folgendes: http://unity-linux.org/
    Scheint alle Annehmlichkeiten moderner Distributionen mitzubringen und bietet auch genug Freiraum für "Bastler". Dürfte auf den Pfaden von Mandriva wandeln, handelt sich jedoch um ein Rolling-Release-Modell.