Eindrücke zu Frugalware 1.6

  • Frugalware 1.6 (Fermus)


    http://www.frugalware.org



    1.Teil


    Vor ca. 3 Wochen wurde die stable-Version von Frugalware 1.6 veröffentlicht. Hier nun mit einiger Verspätung ein paar Eindrücke meinerseits dazu. Mit auf Slackware basierenden Distributionen konnte ich mich nie so recht anfreunden, siehe dazu z.B. meinen Kurztest hier von Zenwalk. Als ganz besonderen Minuspunkt empfand ich das unzureichende Paketmanagement, welches des öfteren Probleme und Unzulänglichkeiten verursachte. Slackware und seine Ableger haben zweifellos ihre Qualitäten, mein Fall waren sie jedoch bisher nicht. Eine moderne, zeitgemäße Paketverwaltung ist für mich einfach Pflicht und wenn diese "verspricht" Abhängigkeiten aufzulösen, dann sollte sie das auch umfassend beherrschen und nicht nur so tun als ob. Zeitaufwändige, mühsame und komplizierte manuelle Konfiguration? Nunja, wenn es denn nicht unbedingt sein muss bin ich nicht unglücklich wenn mir die Distribution das soweit als möglich abnimmt. Hier kommen dann schon die Punkte zum Vorschein die mich als typischen Slackware-Benutzer disqualifizieren. :D


    Nicht in allen Belangen zufrieden mit Slackware war vor einigen Jahren auch ein findiger ungarischer Programmierer. Im speziellen störte ihn die doch sehr lahme Paketverwaltung (für meine Begriffe eine sehr optimistische Bezeichnung für die rudimentären pkgtools). Nachdem seine Änderungsvorstellungen bei Slackware nicht unbedingt Gehör fanden dachte Miklós Vajna erstmals über eine eigene Distribution nach. Das beschreibt im Wesentlichen die Entstehungsgeschichte von Frugalware die ins Jahre 2004 zurückreicht. Den Unterbau stellte immer noch Slackware, hinzu kamen ein rewrite des Paketmanagers von Arch Linux, ein eigenes Paketsystem, Repoman, die nahezu genial einfachen FrugalBuilds und dazu viele eigene grafische Konfigurationswerkzeuge, die es in dieser Form bislang nur unter Frugalware gibt. Einer der Ansätze war auch einen Slackware-Ableger zu schaffen der die bewährten Qualitäten erhält, jedoch weitaus benutzerfreundlicher ist und eine Paketverwaltung auf aktuellem Stand der Zeit mitbringt. Qualität, Stabilität und eine gute Paketverwaltung - drei gewichtige Gründe die mich veranlassten mal einen Blick auf diese Distribution zu werfen.


    Bei Frugalware handelt es sich leider um eine eher unbekannte und sehr kleine Distribution, was sich wiederum in einem sehr dürftigen Wiki und einem Forum mit überschaubar wenigen Themen niederschlägt. Andererseits bei Fedora sieht es im deutschsprachigen Raum auch nicht viel besser aus. Einem Linux-Einsteiger würde ich Frugalware jetzt nicht gerade als ersten Tipp ans Herz legen, wer aber nur ein wenig Erfahrung im Umgang mit Linux hat, der wird mit dieser Distribution auf keine unüberwindbaren Hürden stoßen. Im direkten Vergleich zu Slackware ist Frugalware fast als angenehmer Spaziergang zu umschreiben.


    Von Slackware beibehalten wurde die Unterteilung in zwei branches:


    - current: nahezu tagesaktuell, Frugalware als Rolling-Relase-Modell
    - stable: Aktualisierung ungefähr jedes halbe Jahr auf die nächste stable-Version


    Mit stable sollte der Durchschnittsanwender nichts falsch machen. Die Pakete sind im Normalfall ausreichend aktuell und die Distribution wird mit enormer Stabilität beeindrucken. Wer unbedingt auf die neuesten Pakete angewiesen, aus welchen Gründen auch immer, der ist beim current-Zweig richtig. Zusätzliche „Bastelarbeiten“ die ein wenig mehr Wissen rund um Linux erfordern sind dann jedoch nicht immer auszuschließen.



    Die Installation kann man auf mehreren Wegen beschreiten. Die Downloads der aktuellen Version sind hier zu finden:


    http://frugalware.org/download/frugalware-1.6-iso


    Torrents stehen leider (noch?) nicht zur Verfügung, dafür fehlt es der Distribution noch an der notwendigen Popularität. Wie bei openSUSE, Fedora usw. gibt es große Installationsmedien mit DVD-Größe, Live-CDs und die kleinen netinstall-Isos. Eine direkte Installation ist nur von DVD aus möglich. Dazu wird die DVD1 benötigt. Darauf sollte man jedoch nur zurückgreifen wenn am Standort der Installation kein oder nur ein unzureichender Netzzugang zur Verfügung steht. Die meist gut ausgelasteten Server werden es danken, denn die Installations-DVD enthält sehr viele Pakete die die meisten ohnehin nicht benötigen werden.


    Bei mir belief sich das gesamte Downloadvolumen (netinstall + Live-CD und die von den Servern geladenen Paketen) auf insgesamt ca. 1,4GB. Wer mit einem textbasierten Installer das Auslangen findet verwendet das netinstall-Iso, wer es gerne etwas komfortabler mag, der greift auf die angebotenen Live-CDs zurück. Der Inhalt der Live-CDs wird übrigens nicht wie bei vielen anderen Distributionen üblich auf die Platte kopiert, man kann sich hiermit lediglich einen ersten optischen Eindruck von Frugalware verschaffen. Die benötigten Pakete werden auch hier frisch von den Servern geholt.



    Die textbasierte Installation


    unterscheidet sich im Ablauf mit einer Einschränkung kaum von der grafischen. Frugalware stellt einem drei Optionen bei der Installation zur Verfügung:




    1. Standard-Installation
    2. Standard-Installation mit Framebuffer - bewirkt im Normalfall eine an den Monitor angepasste und damit bessere/höhere Auflösung
    3. GUI - Installation mit einem simpel aufgebauten grafischen Installer


    Wer die textbasierte Installation wählt sollte seine Festplatte(n) am besten schon im Vorfeld entsprechend partitionieren. Ansonsten hält nämlich die Installation ohne GUI nur einige etwas steinzeitlich anmutende Werkzeuge zu Partitionierung bereit:



    Abgehandelt werden in gleicher Reihenfolge textbasiert oder grafisch folgende Punkte:



    Am funktionellsten und optisch gediegensten begegnet einem die grafische Installationsroutine der Live-CDs. Dieser wollen wir uns jetzt zuwenden. Ist zwar insgesamt noch nicht so einfach wie bei den *buntus, allerdings auch nicht mehr allzu weit davon entfernt. Den Rechner mittels Livc-CD starten und auf das Desktop-Icon „Install Frugalware“ klicken, das jetzt abgefragte und einzutragende Passwort ist „fwlive“.


    Schritt für Schritt werden nun Sprache, Tastaturbelegung und der nächstgelegene FTP-Server für den Download der erforderlichen Pakete bestimmt. Die Partitionierung der Festplatte erledigt beim grafischen Installer das bewährte GParted. Möglich sind ext2, ext3, ext4, reiserfs und xfs. BTRFS steht als Dateisystem nicht zur Verfügung.



    Ist die Platte bereits passend partitioniert sind nun zwingend eine swap- und root-Partition zu bestimmen. Home und boot sind falls gewünscht manuell anzulegen. Im nächsten Schritt ist auszuwählen welche Installationsvariante zum Einsatz kommen soll. Offeriert werden drei Optionen:


    - Einsteiger = Basic Mode
    - Erfahren = Intermediate Mode
    - Experte = Expert Mode


    Nun darf man sich für einen Desktop entscheiden:



    Ich entscheide mich hier für LXDE. Wer „Intermediate Mode“ oder „Expert Mode“ ausgewählt hat dem wird hier auch eine manuelle Paketauswahl geboten. Hier kann man sich nun nach Lust und Laune die zu installierende Software zusammenstellen. Um die Auflösung der Abhängigkeiten kümmert sich Pacman und das funktioniert richtig gut. Zumindest mir ist es in mehreren Versuchen nicht gelungen das System aus dem Tritt zu bringen. Beim „Basic Mode“ ist nur die Auswahl des Desktops möglich, die Pakete bestimmt automatisch der Installer.



    Je nach Geschwindigkeit des Servers und der Internetanbindung dauert der Download seine Zeit. Nach dem Download erfolgt erst die eigentliche Installation. Beides nahm bei mir ca. eine knappe dreiviertel Stunde in Anspruch. Bei abgeschlossener Installation ist noch ein Passwort für den Administrator zu vergeben, eine „normaler Nutzer“ anzulegen (im Auswahldialog lassen sich für diesen auch gleich sudorechte zuteilen) und der Bootloader Grub zu installieren (MBR, root-Partitition oder auf Diskette). Damit ist dann die Installation der Distribution vollendet, es folgt noch der Hinweis auf den erforderlichen Neustart und die Entwickler wünschen zum Abschluss noch viel Spass mit Frugalware.


    Die grafische Installationsroutine weiß zu gefallen und ist was die Benutzerfreundlichkeit absolut auf der Höhe der Zeit. Selbst Raidsysteme sind bei Bedarf mühelos zu integrieren oder anzulegen. In Summe gesehen ist da sogar der grafische Installer von openSISE komplizierter und umständlicher zu handhaben und Arch Linux ist eine Wissenschaft dagegen. Nach dem Neustart beeindruckt der kurze Bootzeit des Systems. In etwa 12 Sekunden befindet sich mein vergleichsweise sehr rechenschwacher PC (Athlon 3200+, 1GB RAM) am Login-Screen wieder. Slackware-typisch ist nur ein absolutes Minimum an Diensten gestartet. So läuft z.B. auch cups nicht, hier ist dann der Anwender gefragt. Der schlicht gehaltene LXDE-Desktop wurde in Frugalware mit einem eigenen Theme, anderen Icons usw. optisch sehr aufgewertet und präsentiert sich sehr aufgeräumt. Macht einen schicken und guten ersten Eindruck. Ganz besonders wenn man bedenkt wie altbacken sich LXDE unter Fedora präsentiert. Bei Frugalware hat man sich in dieser Hinsicht erkennbar mehr Mühe gegeben. Das verwendete Icon-Set sagt mir weniger zu, das ist aber schnell geändert und nur Geschmackssache.



    Das System fühlt sich sehr agil und reaktionsfreudig an und weist ohne gestartete Anwendungen einen Arbeitsspeicherverbrauch von nur 68MB auf. Der Dateimanager von LXDE startet z.B. schneller als man die Maustaste losgelassen hat. Flash, MP3, MPEG2 und alle erdenklichen Multimediaformate laufen sofort ohne weiteres zutun oder Nacharbeit.


    Nacharbeit benötigt lediglich die deutsche Tastaturbelegung, was zum Teil auch einer noch immer vorhandenen Unzulänglichkeit von LXDE geschuldet ist. Mit der deutschen Lokalisierung gibt es soweit keine Probleme, abgesehen von den Programmen natürlich die bislang nur mit einer englischen Oberfläche versehen sind. Widerwillig zeigt sich nur die Tastatur die beharrlich auf der englischen Belegung beharrt. Hier schaffen folgende drei Schritte Abhilfe:

    Code
    1. cp /usr/share/hal/fdi/policy/10osvendor/10-keymap.fdi /etc/hal/fdi/policy/


    Code
    1. leafpad /etc/hal/fdi/policy/10-keymap.fdi


    In der Konfigurationsdatei befindet sich im letzten Teil folgende Zeile:

    Code
    1. merge key="input.xkb.layout" type="string">us</merge


    Das „us“ durch „de“ ersetzen und die geänderte Datei abspeichern. Der zweite Schritt besteht nun darin eine weitere Konfigurationsdatei anzupassen:

    Code
    1. leafpad /etc/X11/xorg.conf.d/10-evdev.conf


    Hier den Eintrag  „Option "xkb_layout" "" in „Option „XkbLayout“ „de“ abändern und speichern. Weitere Abweichungen bitte ebenfalls korrigieren. So sind die Einträge korrekt:


    

    Code
    1. Section "InputClass" Identifier "evdev keyboard catchall" MatchIsKeyboard "on" MatchDevicePath "/dev/input/event*" Driver "evdev" Option "XkbLayout" "de" Option "XkbVariant" "nodeadkeys"EndSection


    Zu guter Letzt ist nun noch die Autostart-Datei von LXDE anzupassen damit immer gleich das gewünschte deutsche Layout geladen wird:

    Code
    1. leafpad /etc/xdg/lxsession/LXDE/autostart

    um folgende Zeile erweitern:

    Code
    1. setxkbmap -layout de


    Abspeichern und fertig! Anders als bei Slackware ist der proprietäre Nvidia-Treiber in den Paketquellen von Frugalware enthalten. Wer diesen benötigt weil z.B. vdpau vonnöten ist um auf älteren Rechnern HD-Videos ruckelfrei schauen oder generell mit der eher bescheidenen Performance von Nouveau unzufrieden ist- die Installation ist ein leichtes.


    Wichtig ist als erster Schritt Nouveau zu verbieten sich in grafische Belange einzumischen. Dies erfolgt indem der /etc/sysconfig/blacklist der Eintrag „blacklist nouveau“ hinzugefügt wird.

    Code
    1. leafpad /etc/sysconfig/blacklist


    Datei speichern und danach den Rechner neustarten. Nun mit

    Code
    1. pacman -S nvidia


    den Nvidia-Treiber installieren. Nvidia-setting und xconfig werden in diesem Zuge mitinstalliert. Nach einem Reboot steht die Funktionalität des originalen Treibers dann zur Verfügung.



    Soviel zur erfreulich problemlosen und unkomplizierten Installation von Frugalware 1.6. Der zweite Teil folgt dann in den nächsten 1-2 Wochen...

  • Fortsetzung folgt dann am Sonntag. Das Lesen lohnt sich, denn diese Distribution ist richtig gut. Lediglich ein gröberes Ärgernis und zwei kleinere sind noch auszusortieren. Das sollte auch zu schaffen sein. Nein, LXDE kann ich nicht viel abgewinnen, ist noch um einiges spartanischer und weniger aufgeräumt als XFCE. Wollte nur mal wieder einen Blick darauf werfen.

  • So, weiter im Text und noch ein kleiner Nachtrag zur Installation des Nvidia-Treibers:


    Wie ich mittlerweile bei einer weiteren Installation von Frugalware auf einem anderen Rechner mitbekommen habe kann es sich unter Umständen ein wenig komplizierter gestalten Nouveau loszuwerden. Problem scheint zu sein das Nouveau trotz erfolgtem blacklisting und anschließendem Neustart immer noch aktiv ist. Warum ist mir auch nicht klar, aber feststellen kann man dies sehr einfach mit lsmod. Sollte hier in einem der Einträge Nouveau aufscheinen, so wird die Installation des Nvidia-Treibers fehlschagen. Bekommt man dann auch mit einem "FAILURE" bei Installation des Kernel-Moduls unmißverständlich mitgeteilt. Führt man jetzt einen Neustart durch sitzt man vor einem schwarzem Bildschirm. Egal ob die Installation des Nvidia bereits erfolgt ist oder nicht- Abhilfe schafft vor dem Bootvorgang die Kernelzeile mittels e zu editieren und dieser den Parameter "nomodeset" mitzugeben. Danach mit b die veränderte Konfiguration booten und damit scheint der Nouveau definitiv ausgesperrt. Damit erblickt man zumindest die grafische Umgebung wieder. Nun lässt sich mittels "pacman -S nvidia" problemlos der Nvidia installieren. Wurde dies zuvor schon erfolglos versucht braucht es nur noch ein "modprobe nvidia". Eine xorg.conf wird heute von den meisten Distributionen nicht mehr angelegt, wer mag kann dies nun mit "nvidia-xconfig" tun. Hier sollte nun unter Device korrekt "nvidia" aufgeführt sein.


    http://pastebin.com/sjNs0rhA


    Zum aktuellen Zeitpunkt würde ich die Installation fast grundsätzlich jedem Nvidia-Kartenbesitzer empfehlen. Die allgemeine Performance ist besser und wer auf die gut funktionierte Hardwareschleunigung des proprietären Nvidia-Treibers angewiesen ist wird mit Nouveau keinesfalls auskommen. Bei mir ist letzteres der Fall. Für HD-Videos ist mein PC von der Rechenleistung schon zu schwach. 720p klappt noch einigermaßen, bei 1080i ist mit dem Nouveau Ende, das Bild ruckelt dann schon ziemlich ungenießbar. Mit vdpau kann man die Rechenarbeit dann großteils der Grafikkarte aufbürden und das klappt auch sehr gut. Selbst 1080i-Videos laufen absolut flüssig und die CPU-Belastung sinkt erheblich. Aus diesem Grunde habe ich mir dann auch solch eine "High Performance-Grafikkarte" angeschafft. :D


    Verwendet habe ich dazu das Gespann MPlayer bzw. die gut gelungene GUI namens SMPlayer. Als Ausgabe-Treiber vdpau einstellen und fertig. So war es unter Fedora. Das hat bei Frugalware in dieser Form nicht geklappt, denn als Ausgabetreiber steht vdpau nicht zur Verfügung, obwohl vdpauinfo die "NVIDIA VDPAU Driver Shared Library 290.10" als vorhanden und korrekt arbeitend ausweist. Bei der Paketierung von MPlayer wurde leider auf "--enable-vdpau" verzichtet. Der SMPlayer steht übrigens unter Frugalware nicht zur Verfügung, dieser wurde ersetzt durch ein Teil names UMPlayer. Scheint auch ziemlich dasselbe zu sein, gleiche Menüs usw, dafür etwas andere Optik und ein wenig mehr Funktionalität.



    Paketerstellung


    Wie ist nun MPlayer/UMPlayer vdpau beizubringen? Hier sind wir nun bei einer der größten Stärken diese Distribution- der einfachen Paketerstellung ohne Umwege. Diese wird realisiert über sogenannte "FrugalBuilds". Der Aufbau ist vergleichsweise simpel und leicht zu durchschauen und weist nicht ohne Grund erhebliche Ähnlichkeiten zu Arch Linux auf. Damit ist es ein leichtes vorhandene Pakete zu modifizieren, anzupassen und auch eigene Pakete zu erstellen. Nur folgende Vorarbeit ist dazu nötig:


    Buildumgebung erstellen: repoman upd


    Fertig. Damit wird unter /var/fst/stable (bei Verwendung von stable, bei current logischerweise /var/fst/current) die Buildumgebung erstellt und die FrugalBuilds für alle in der Paketquelle vorhandenen Pakete lokal auf den Rechner geladen. Dazu noch einige Buildwerkzeuge, der Download umfasste in meinem Falle ca. 170MB. Die eigentliche Paketerstellung erfolgt in einer chroot-Umgebung, welches dann nochmals in erheblichem Umfang die Installation von Entwicklungswerkzeugen nach sich zieht. Downloadgröße weiß ich jetzt nicht mehr, die Installationsgröße lag jedoch bei knapp 500MB.



    Unter source sind nun die FrugalBuilds zu finden. Die Zuordnung zu den einzelnen Rubriken (immerhin 35) an der Zahll) ist leider nicht in jedem Falle logisch. So ist VLC z.B. unter XMultimedia, der MPlayer jedoch unter Xapps zu finden.


    FrugalBuild zu MPlayer: http://pastebin.com/Z2hgsW8X


    Einfach bei build und Fmake ein --enable-vdpau hinzufügen. Speichern und danach "makepkg" im selben Ordner ausführen. Damit wird ein einfacher Rebuild des Paketes durchgeführt. Wer Pakete aktualisieren oder gänzlich selbst erstellen will muss im auch noch die sich geänderten Prüfnummern ermitteln lassen. Wie bei RPM gibt es auch hier hilfreiche Makros, zu identifizieren am vorangestellten F.


    http://pastebin.com/WuZm1jCs


    Ausführliche Details zum Paketbau unter Frugalware: https://wiki.frugalware.org/in…ilding_/_Pakete_erstellen



    LXDE



    ist umgänglicher geworden und mittlerweile scheint es auch um die Stabilität sehr gut bestellt. Icons lassen sich nun frei auf dem Desktop ablegen, der Dateimanager kommt problemlos mit Netzwerkfreigaben und sogar FTP klar und verwaltet auch den Desktop. Dennoch die Konfiguration ist umständlicher und aufwändiger als bei den anderen großen Desktopumgebungen. Die handvoll grafischen Werkzeuge sind verstreut, nicht einheitlich und offerieren auch nicht die Möglichkeiten und Funktionalitäten wie z.B. bei XFCE. So sind z.B. nur für das Anlegen von Tastaturkürzeln, Autostarteinträgen Konfigurationsdateien zu editieren oder anzulegen. Ist nicht jedermanns Sache, aber sobald das System mal wie gewünscht eingerichtet ist fällt das wohl nicht mehr weiter ins Gewicht. Nett ist das Pcmanfm Tabs beherrscht, ein Feature das bei Thunar vermisst wird und laut den Entwicklern auch nicht implementiert wird. Dafür punktet Thunar mit den benutzerdefinierten Aktionen die im täglichen Betrieb ebenfalls sehr komfortabel sind. Ist in erster Linie Geschmackssache welcher Desktop einem mehr zusagt. Bei LXDE vermisse ich auch die Möglichkeit Ordnern Embleme zuzuordnen, man hat aber zweifellos Boden gutgemacht. Das Editieren von Menüeinträgen ist bei beiden Oberflächen derselbe umständliche Murks. Der Papierkorb des Dateimanagers im root-Modus ist bei XFCE nicht mehr vorhanden, bei LXDE wird er angezeigt, bewirkt jedoch nichts.


    Von der Performance gesehen würde ich sagen der Unterschied zwischen XFCE und LXDE ist vernachlässigbar, sofern es einem beim Arbeitsspeicher nicht auf jedes einzelne MB ankommt. Mit ähnlichen Diensten und Services konfiguriert (Samba, MPD, Tor, Privoxy, FTP) tun sich mein Fedora mit XFCE und Frugalware mit LXDE nicht viel. Direkt nach dem Neustart:


    - Fedora 16 XFCE: RAM-Verbrauch von ca. 120-130MB
    - Frugalware 1.6: RAM-Verbrauch von ca. 100-110MB


    Tut zwar hier nicht viel zur Sache, aber ein installiertes Lubuntu ohne alles verschlingt nach der Standardinstallation gleich 220MB. Angesichts dessen wie LXDE ausgelegt ist bzw. sein sollte ist das auch eine Leistung. :D


    Wer nicht gerade einen Uralt-Rechner mit nur 256MB Arbeitsspeicher betreiben will für den sollte es eigentlich keine Rolle spielen. Sieht man vielleicht von KDE ab machen den Hauptanteil des RAM-Verbrauchs ohnehin die Anwendungen aus. Macht für mich wenig Sinn wegen nur 20-30MB auf eine weniger komfortable Oberfläche zu setzen (auch XFCE ist in dieser Hinsicht für mich vielfach schon grenzwertig) wenn z.B. ein Browser mit einigen geöffneten Tabs und ein wenig Flash gleich an die 400MB "verschlingt".



    Die Konfiguration von Frugalware


    zeigte sich erfreulich unkompliziert. Die Konfigurationsdateien von Fedora zu Frugalware kopiert und einfach die jeweiligen Services gestartet.


    - service mpd add (Dienst wird bei jedem Rechnerstart gestartet)
    - service mpd start


    und läuft. Cups läuft übrigens standardmäßig nicht. Für die grafische Samba-Konfiguration wird übrigens ein nettes und sehr funktionelles Tool names gadmin-samba installiert. Sieht um einiges gediegener aus als das reichlich angestaubte (aber immer noch tadellos funktionierende SWAT).



    Ein grafisches Tool für die Paketverwaltung namens gfpm (graphical frugalware package manager) ist ebenfalls vorhanden und erledigt brav seine Aufgabe. Die Programme sind anders als z.B. bei Zenwalk auch recht ordentlich in Kategorieren eingeordnet.



    Man beachte die Option "Skip dependency checks", die man besser nicht aktiviert. Ein Indiz aus welcher Ecke Frugalware kommt und was immer noch den wesentlichen Unterbau darstellt. Anhänger dieser Distribution dürften dann mit diesem Tool keinerlei Freude haben:



    Frugalware-Tweak



    Dies soll in Zukunft die Administration von Frugalware noch einfacher machen und geht in die Richtung wie es Suse mit Yast oder Mandriva mit dem MCC bereits vorgegeben haben. Es sind noch nicht alle Module fertig, sieht aber schon sehr vielversprechend aus. Auch das grafische Paketmanagement soll zukünftig in Frugalware-tweak integriert werden. Unter Support sind links zum Frugalware-Forum und den drei IRC-Channels zu finden.



    Noch auszusortieren...


    Soweit sieht alles sehr überzeugend aus und die Distribution hat definitiv ihre Qualitäten. Hat mir bislang um einiges besser gefallen als die meisten anderen Distributionen die mir in den letzten zwei Jahren untergekommen sind. Fedora natürlich hiervon ausdrücklich ausgenommen. So ganz rund war der Umgang mit Frugalware in einigen Punkten dann leider doch (noch?) nicht. Manches davon ist wahrscheinlich der vergleichsweise kleinen Anzahl an Frugalware-Nutzern geschuldet. Bug-Reports sind eher spärlich und die wenigen Entwickler sind auf diese angewiesen. Alle Fehler können sie schließlich nicht selbst entdecken. Hier nun meine "Mängelliste":


    1. Samsung ML2010 funktioniert nicht bzw. weigert sich zu drucken


    Scheint an dem alten Splix zu liegen. Da gab es (glaube ich) in der Vergangenheit schon Probleme). Drucker wird korrekt erkannt, installiert und der Status arbeitsbereit wird ausgewiesen. Beim Entgegennehmen eines Druckauftrages wechselt der Status sofort auf angehalten und der Druck wird nicht ausgeführt. Fedora verwendet seit 13 oder 14 Splix nicht mehr, sondern hat sich beim Aufruf von system-config-printer einen Treiber aus dem Netz geholt. Mal nachsehen wo da ein Unterschied zu finden ist.


    Gelöst:Splix entfernen und die foomatic-filters und foomatic-filters-ppds installieren. Danach die zu nutzenden Druckertreiber neu zuweisen. Samsung ML2010 Foomatic/gdi[en] auswählen.



    2. Java-Anwendungen starten nicht aus grafischer Umgebung


    Java-Applikationen wie TV-Browser, Projectx, Jbidwatcher usw. lassen sich nicht aus LXDE direkt aufrufen. Weder als Startdatei, noch als direkte exec-Anweisung und auch nicht wenn ein Symlink angelegt ist. Hat mir die meisten Rätsel aufgegeben, so dass ich gestern hilfesuchend vom IRC-Channel Gebrauch gemacht habe. Das ist ein scheinbar ein Bug LXMenu und desktop-file-utils betreffend. Java-Anwendungen lassen sich nur über die Konsole aufrufen, nicht jedoch über LXMenu oder ALT+F2. Kurios, sollte aber mit einem Update in naher Zukunft repariert sein.



    3. FTP-Transfer über Filezilla zum Satreceiver sehr langsam


    Keine Ahnung wo es da hakt, wird aber auch einen Grund haben. Verwende das des öfteren um Dateien zwischen PC und dem Satreceiver über das Netzwerk in beide Richtungen zu transferieren. Bei Fedora dauerte der Transfer einer Aufnahme vom Receiver zum PC mit ca. 4GB Größe etwa 4-5 Minuten. Frugalware: ca,2,5 Stunden. Vom PC auf den Receiver mit rund 4GB bei Fedora ca. 8-9 Minuten, mit Frugalware 11 Stunden irgendwas. Ist mir dann doch ein wenig zu lange... :D



    Des weiteren gibt es Probleme mit zwei Programmen aus den Frugalware-Repos:


    1. Handbrake:

    Code
    1. error while loading shared libraries: libicui18n.so.42


    2. Openshot:

    Code
    1. ------------------------- ERROR 1 ------------------------------
    2. Failed to import 'from openshot import main'
    3. Error Message: cannot import name main
    4. ----------------------------------------------------------------



    Ein abschließendes Fazit zu Frugalware erlaube ich mir dann nächstes Wochenende. Mal sehen welche Probleme ich bis dahin ausgeräumt bekomme... ;)

  • Hallo Vienna..Erstmal "Danke" für den zweiten Teil.


    Was ich nicht ganz verstanden habe ist "FrugalBuild zu MPlayer.
    Wird hier MPlayer kompiliert als ein Paket und intern unterschieden zwischen mencoder/MPlayer/doc, oder werden mehrere Pakete erstellt,ähnlich Debian .


    Beispiel MPlayer - System Debian.
    Fünf Pakete würden automatisch aus dem Source erstellt. : MPlayer, mencoder, MPlayer-dbg (debug), MPlayer-doc und optional MPlayer-Gui.

  • FrugalBuild = Gegenstück zum spec-file bei Erstellung von RPM-Paketen
    MPlayer wird inkl. der Standard-GUI und den docs kompiliert und paketiert (*.fpm). Mencoder ist ein eigens Build/Paket.


    Nur weil Debian es anders macht ist es nicht automatisch besser. Es sei denn es geht darum die Paketverwaltung mit vermeidbarem/unnötigen Overhead zu belasten und bei der Anzahl der aus den Paketquellen installierbaren Pakete um jeden Preis an erster Stelle zu bleiben. :D

  • Zitat

    Nur weil Debian es anders macht ist es nicht automatisch besser.


    Hat ja auch keiner gesagt. Vienna = Debian - Allergiker


    Und zum Overhead...der ist ja nur... als quasi Ausgleich für den Waterhead ...der meist vor dem Bildschirm sitzt :)

  • :D:D:D:D:D


    Naja, Kubuntu mochte ich ganz gerne... ;D


    Aber zum Thema und ich raffe mich damit zu einem abschließenden Statement bzgl. Frugalware auf. Eine kleine, feine Distribution die ich an sich jedem etwas versierteren Linux-Anwender ans Herz legen kann. Ein paar Kleinigkeiten waren/sind auszusortieren, aber nichts was den positiven Eindruck dieser Distribution auch nur ansatzweise schmälern könnte. Im wesentlich erhält man einen sehr stabilen Slackware-Unterbau, der von seinen "Eigenheiten" befreit wurde und mit eigenen, grafischen Frugalware-Tools aufgewertet wurde. Für ein zeitgemäßes Paketmanagement sorgt die Paketverwaltung von Arch-Linux, jedoch auch hier mit Adaptierungen und Verbesserungen. Die grafische Installation sollte niemanden vor Rätsel stellen und arbeitet erfreulich problemlos. Mit dem fertigen Frugalware-Tweak wird zukünftig auch eine umfangreiches, grafischen Konfigurationstool zur Verfügung stehen wie man es z.B. von Yast oder dem MCC kennt.



    Mein Fazit:


    + gelungene, grafische Installationsroutine ohne "Stolperfallen"
    + ein stabiles, aktuellles und sehr schnelles System bei Verwendung von stable
    + die Option auf ein Rolling-Release-Modell mit tagesaktuellen Paketen (mit nur geringen Einbußen an die Stabilität)
    + sehr kurze Bootzeiten
    + Multimediasupport ohne "Nacharbeit"
    + gut gefüllte Paketquellen die nur wenig vermissen lassen
    + auf Wunsch eine maßgeschneiderte Installation, dazu sind die Paketabhängigkeiten auf das nötigste Minimum beschränkt
    + proprietäre Nvidia-Treiber in den Paketquellen
    + Pacman (-g2) für die Paketverwaltung
    + einfache Paketerstellung/Anpassung mit Hilfe der FrugalBuilds


    - kleiner Entwicklerkreis
    - zur Zeit eine sehr überschaubare Anzahl an Frugalware-Nutzern


    Letzteres schlägt sich leider im Forum, Wiki usw. entsprechend nieder. Die wesentlichen Informationen sind jedoch vorhanden, sofern man nicht mit der englischen Sprache komplett auf Kriegsfuß steht. Falls alle Stricke reißen findet man auch Hilfe im IRC-Channel, wo zumeist auch mind. einer der Frugalware-Entwickler anzutreffen ist.


    In Summe gesehen spreche ich Frugalware damit ein recht solide Empfehlung aus. Die Distribution weiß zu überzeugen und wer Interesse hat sollte definitiv mal einen Blick darauf werfen.