Der neue freie AOMedia-Codec AV1

  • Im September 2015 hat sich die "Alliance for Open Media" gegründet, ein Konsortium einiger Internet-Schwergewichte, mit dem Ziel einen freien Codec zu entwickeln, der besser sein soll als h265/HEVC. Laut wikipedia-Seite https://en.wikipedia.org/wiki/AOMedia_Video_1 sollte der Quellcode noch in diesem Jahr "frozen" sein, somit wäre im nächsten Frühjahr ein erster Codec lieferbar. Das klingt ganz gut. Mich überrascht, dass in diesem Experten-Forum noch kein Thread dazu existiert.


    Was ist von diesem Codec zu halten. Das ist doch endlich das, worauf wir alle gewartet haben, oder?

  • papiertiger.
    so gehypt war ich mal auf h264.


    dann gingen 1 jahr ins land bis die ersten binarys/codecs gab...
    und noch mehr zeit bis die ersten (sinnvollen) mediaplayer ihn unterstützten.
    erst mit der bluray-ära wurden h264-chips standard in den mediaplayer-geräten...


    ich rechne damit das AV1 ähnliche qualität liefern wird wie h265.

  • papiertiger.
    (...)
    ich rechne damit das AV1 ähnliche qualität liefern wird wie h265.


    "The efficiency goal is 25% improvement over HEVC"


    Ob gleich gut oder besser, Tatsache ist, dass hier ein guter Codec mit freier Lizenz entsteht. Sobald YouTube und Netflix diesen Codec einsetzen, wird die Bekanntheit schnell steigen und die Hardware-Hersteller werden schnell eine Unterstützung implementieren. Schließlich ist der Codec lizenzfrei.


    Ich frage mich auch, wie groß die Datei wird, wenn man eine DVD (mpeg2) in AV1 kodiert. Vielleicht 10% der Ursprungsdatei? Das kann interessant werden.

  • erwarte nicht zu viel.


    "The efficiency goal is 25% improvement"
    diesen satz habe ich oft gehört als die divx-ära begann...


    "wenn man eine DVD (mpeg2) in AV1 kodiert"
    der witz wird warscheinlich sein, weniger effizent als man erhofft hat,
    da die aktuellen codec generation für HD/4k auflösungen optimiert werden.


    jedenfalls wird zu beginn noch einiges an optimierung fehlen,
    und wird ehr von freien programierern als von der industrie gepflegt.


    oder warum zählen LAME, XviD, x264 zu den besseren codecs wo gibt/gab?
    und einige doktorn immer noch daran rum (lame).

  • erwarte nicht zu viel.


    Wenn man YouTube-Videos mit VP9-Videospur runterlädt, dann sieht man sofort, dass das ein toller Codec ist. Warum sollte der Nachfolger nicht mindestens genauso gut sein?



    jedenfalls wird zu beginn noch einiges an optimierung fehlen,
    und wird ehr von freien programierern als von der industrie gepflegt.


    oder warum zählen LAME, XviD, x264 zu den besseren codecs wo gibt/gab?
    und einige doktorn immer noch daran rum (lame).


    Lame galt mit der Option --alt-preset standard als transparent, mittlerweile wird eine höhere Bitrate empfohlen. Verbessern kann man immer etwas, oder man nimmt FLAC und ist damit zufrieden. Aber mp3s, die mit --alt-preset standard kodiert wurden, sind heute noch gut.


    xvid und x264 waren notwendige Alternativen zu proprietären Codecs. Bei AV1 ist bereits die offizielle Entwicklung open source. Ob es da alternative Codecs geben wird, wird sich noch zeigen. Und selbst wenn, wo ist das Problem?

  • Testen kann man ja heute schon, was die bisherige Entwicklung so liefert. Separate CLI-Encoder/Decoder kann man sich mit der MABS basteln lassen, oder auch ein ffmpeg mit integriertem Codec (das gibts wahrscheinlich auch bei zeranoe).


    Wieweit sich AV1 durchsetzt, wird die Akzeptanz durch kommerzielle Anbieter zeigen, und das hängt sicherlich davon ab, wie praxistauglich die Implementation wird: Nicht jeder wäre bereit, für 1/4 bessere Effizienz 4× so viel Energie und Zeit zu investieren (nur so als Beispiel ohne Grundlage).


  • Wieweit sich AV1 durchsetzt, wird die Akzeptanz durch kommerzielle Anbieter zeigen, und das hängt sicherlich davon ab, wie praxistauglich die Implementation wird: Nicht jeder wäre bereit, für 1/4 bessere Effizienz 4× so viel Energie und Zeit zu investieren (nur so als Beispiel ohne Grundlage).


    Du meinst, wenn Netflix/Youtube einen Film ein einziges mal kodiert und danach millionen/millardenfach verteilen muss, dass sie die Encoderzeit besonders interessiert?

  • weist du wieviele videos pro tag bei youtube hochgeladen wird?
    da ist die wirtschaftlichkeit eines codecs schon entscheident.


    Bei Netflix weiß man, was sie als Kriterien ansehen, um AV1 einzuführen:


    Zitat


    "We will be satisfied with 20% efficiency improvement over HEVC when measured across a diverse set of content and would consider a 3-5x increase in computational complexity reasonable."



    dies würde troz "schlechteren" codec ein gewichtiges argument gegen h265 sein.


    Bei der Qualität testen sie vermutlich auch unter "Streaming" Bedingungen. Also z.B. kein crf nur cbr. (oder was anderes, falls av1 etwas besseres fürs Streamen hat)


    Hab schon einige x264 Streaming Profile gesehen, die bframes=0 drin hatten. Da wird viel deaktiviert, weil die Quali kann noch so toll sein. Wenn der Stream ruckelt, vergeht den Leuten die Laune.

  • :daumen: monarc99


    Solche Quellen sind doch interessant, ohne solche Zitate kann man die Einschätzung der Wirtschaftlichkeit durch kommerzielle Anbieter als Privatnutzer wohl kaum passend einordnen. Lag ich halt mal wieder falsch... :redface:


    Und wenn so hohes Interesse bei Anbietern großer Volumen verbrieft ist, dann werden sicherlich auch Hardware-Lösungen entwickelt, die eine Encodierung in dieses neue Format beschleunigen werden, bei zu erwartenden Investitionen.

  • Na, offensichtlich nicht :D – insbesondere, wenn man analysiert, in welchen Details die Unterschiede stecken; das sind u.a.: a) größere Blöcke = "Coding Units" als nur 8×8/16×16 für Inhalt mit wenig Struktur; b) nicht quadratische Unterteilungen für Inhalt mit hohen Kontrasten. Die hohe Vielfalt kostet dann aber eben auch mehr Rechenaufwand für die Ermittlung der optimalen Strategie.


    Dafür erkennt man aber wohl Wavelets als "Sackgasse", der kürzlich offen gestellte GoPro Cineform-Codec ist explizit auf schnelle Verarbeitung bei höheren Bitraten und Bittiefen gedacht, wird aber für sehr effiziente Encodierung weniger geeignet sein.


    Auch Daala – und damit ebenso AV1 als anteilige Weiterentwicklung – basiert immer noch auf kleineren Ausschnitten eines Videoframes. Analyse und parametrische Beschreibung unterscheiden sich aber doch recht deutlich vom üblichen MPEG-Ansatz (eher vergleichbar mit dem Ansatz in Vorbis und Opus im Audio-Bereich).
    _


    P.S.:


    Der Parametersatz von aomenc ist vpxenc sehr ähnlich.


    Ich lass gerade mal einen kleinen Test laufen mit "mach mal wie du meinst"-VBR-Parametern und knapper Bitrate. Testmaterial: "Foreman" (Siemens-Vorarbeiter) CIF PAL (also 352x288 px) aus der Derf-Kollektion. CPU: Phenom-II X4 (vermutlich max. SSE2). Aktuelle Geschwindigkeit bei Frame 24/5 (heißt wohl: 24 in der Analyse, 5 fertig codiert?): 1.06 fpm; geplante Dauer: etwa 8 Stunden.


    :eek:


    Aber man kann auch den Rechenaufwand pro Frame begrenzen.


    Hab den Beitrag mal passend verschoben, da wir das Thema jetzt etwas ausführlicher besprechen.
    _


    Update:


    Frame 26/7, 0.49 fpm, ~10 Stunden ... nee, das lohnt sich nicht. Mal sehen, ob die "Gute Qualität"-Aufwandsgrenze für praxistaugliches Verhalten sorgt.


    Es sieht so aus, als ob die Ausgabe mit ANSI-Escape-Sequenzen spielen will. Aber nicht jeder Kommandozeilen-Interpreter unterstützt sowas. Windows 7 cmd vielleicht nicht, aber eventuell TakeCommand.
    _


    Nein, --good ändert nicht viel. Vielleicht sind 300 kbps eine zu hohe Herausforderung.
    _


    Nö, 3000 kbps beschleunigen auch nicht.

  • Ich habe die ganze Encodiererei/Umcodiererei an den Nagel gehängt.
    Alle Videos die man sich so ansieht sind ja bereits mit einem Codec encodiert wurden.
    Ich sage da ganz klar: Schade um die viele Zeit und Energie die dazu verschwendet wird fürs neu-codieren.
    Jedes neu-codieren verschlechtert die Quallität.


    Es würde also nur Sinn ergeben wenn eine Bluray/oder anderes Discformat mit diesem neuen Codec ausgestatt ist.

  • Klar, das lohnt sich erst, wenn Speicherplatz bzw. Datenübertragung teuer wird. Für den Heimkino-Anwender ist heutzutage eine externe Festplatte für den kompatiblen Mediaplayer oder HTPC (v.a. im Vergleich zu DVD-R-Spindeln o.ä.) so günstig, dass man reichlich Filme selbst in Originalgröße unterkriegt. Webvideo-Hoster sehen den Punkt aber aus einem anderen Blickwinkel, die müssen ihren Traffic ja mit u.U. Millionen Zugriffen multiplizieren, da kann sich deutliche Verkleinerung bei wenig störenden Verlusten immer noch rechnen...


    Die unglaubliche Langsamkeit lag übrigens v.a. am Parameter "--cpu-used": Der Standardwert 0 rechnet mit allem möglichen Aufwand (wie ein "placebo"-Preset); Werte um 4..8 brauchen zwar immer noch ein Viertelstündchen für den Siemens-Vorarbeiter, aber das ist wenigstens noch im Rahmen meiner Lebenserwartung. Ich nehme an, dass es auf moderneren CPUs auch relativ flotter möglich ist.


    Laut anderen Berichten sollte AV1 auch sliceweise Parallelisierung unterstützen, die funktioniert aber bisher wohl nur für das erste Scheibchen korrekt.

  • Klar, das lohnt sich erst, wenn Speicherplatz bzw. Datenübertragung teuer wird. Für den Heimkino-Anwender ist heutzutage eine externe Festplatte für den kompatiblen Mediaplayer oder HTPC (v.a. im Vergleich zu DVD-R-Spindeln o.ä.) so günstig, dass man reichlich Filme selbst in Originalgröße unterkriegt. Webvideo-Hoster sehen den Punkt aber aus einem anderen Blickwinkel, die müssen ihren Traffic ja mit u.U. Millionen Zugriffen multiplizieren, da kann sich deutliche Verkleinerung bei wenig störenden Verlusten immer noch rechnen...


    Genau das Thema habe ich eben mit einem Freund per Email;
    Diese WebHoster machen die ganze schöne Video-Welt kaputt.


    Da kaufen sich die Leute die neusten Full-HD Fernseher oder 4k-Fernseher um sich dann ein
    (grauenhaft) runter-codiertes Video mit miesem Audio und fehlenden Untertiteln anzuschauen.....einfach nur traurig.



    Was den Speicherplatz angeht: Ein Bluray Film mit sagen wir mal 30 GB (Video + 2 Audios + Untertitel) kostet mich 1Euro an Speicherplatz auf einer HDD

  • Ich habe die ganze Encodiererei/Umcodiererei an den Nagel gehängt.
    Alle Videos die man sich so ansieht sind ja bereits mit einem Codec encodiert wurden.
    Ich sage da ganz klar: Schade um die viele Zeit und Energie die dazu verschwendet wird fürs neu-codieren.
    Jedes neu-codieren verschlechtert die Quallität.


    Es würde also nur Sinn ergeben wenn eine Bluray/oder anderes Discformat mit diesem neuen Codec ausgestatt ist.


    Ich habe meine DVD-Sammlung und mpeg2-Videos erstmal so gelassen. x264 wäre ein gutes Zielformat gewesen, x265 galt lange als noch nicht ausgereift und nun warte ich auf AV1. Von AV1 erhoffe ich mir ein gutes langfristiges Zielformat.


    Ein neues Medium wird es nicht mehr geben, heutzutage nutzt jeder USB-Sticks. Vielleicht gibt es irgendwann andere Wege, um eine Sammlung von Videos mit einem Menü zu versehen, das dann vielleicht im VLC-Player dargestellt werden kann. Das könnte eine Alternative sein.

  • Angeblich kommt ja neuer Schwung in MKV-Menüs ... schau ich mir an, wenn's läuft, nicht eher. ;D


    Wer ab und zu mal AV1 probieren will: AOM auf MediaFire (aber es gibt noch nicht mal Unterstützung in üblichen Playern, selbst ffmpeg "erkennt" es höchstens; kann daran liegen, dass es sich mit VPx in Namespaces beißt).