Internet Whitelist-Filter gesucht

  • Hallo zusammen,


    da mein 13jähriger Neffe nun einen unserer alten PCs nebst Verbindung zum Router bekommen soll, bin ich nun auf der Suche nach einem ganzheitlichen Sicherheitskonzept.


    Erstens soll er nicht seine ganze Freizeit davor verbringen - dafür wird einfach ein eingeschränkter Windows-User mit Passwort eingerichtet; Sowohl das Passwort dieses Users als auch das Admin-Passwort bleiben geheim, so dass er nur drankommt, wenn seine Eltern es erlauben.
    Im BIOS stelle ich dann noch die Bootreihenfolge um und deaktiviere das Booten von USB, so dass z.B. nicht von einer Live-CD oder einem USB-Stick gebootet werden kann, und setze ein BIOS-Passwort, so dass sich das auch nicht ändern lässt.


    Damit sollte die generelle "Zugangskontrolle" ja erledigt sein - oder fällt jemandem noch spontan ein, wie ein 13jähriger da mit einfachen Mitteln noch was umgehen kann?



    Bleibt die Frage des Internetzugriffs - da natürlich nach dem Einschalten des Rechners nicht die ganze Zeit jemand neben ihm sitzt und kontrolliert wo er so rumsurft, muss ein Filtersystem her.
    Ein auf Blacklisting oder Keywords basierendes System scheidet meiner Ansicht nach aus - sowas halte ich für nicht sicher genug. Eine Blacklist kann unmöglich alle Porno- und sonstige, für Kinderaugen ungeeignete Seiten und/oder Filesharing-Kram etc. enthalten.


    Somit kommt für mich nur ein Whitelist-System in Frage, in dem erstmal alles gesperrt ist und nur bestimmte Seiten (z.B. SchülerVZ etc.) manuell freigeschaltet werden können. Wichtig wäre dabei natürlich, dass auch das Folgen von Links auf nicht "gewhitelistete" Seiten nicht funktioniert, also nur Pages unterhalb einer Domain aufgerufen werden können. Noch schöner wäre es, wenn dann evtl. nochmal ein Content-Filter für Pornographie, Gewalt etc. drüberlaufen würde, falls sich irgendwo unterhalb einer Domain auf der Whiteliest noch irgendwas ungeeignetes verstecken sollte.



    Hat jemand Erfahrung mit solchen Kontrollmechanismen und kann ein Whitelist-System (möglichst Freeware) empfehlen?

  • Whitelists hab ich bis dato (für Firmen) immer nur auf Routerbasis eingeführt, soweit ich mich entsinne gibt es aber auch einige 'Software'-Router die Whitelists&Co unterstützen.
    Wenn er clever ist, resettet er das Bios, stellt dann Bootbeschränkung aus, knackt als nächstes Windows - kann man eigentlich bei Windows Vista/7 noch den alten .scr-Austauschreick machen? - und gut ist, analog könnte er natürlich auch den Router zurücksetzen, dann müsste er ihn aber wieder entsprechend konfigurieren, was vermutlich nicht so einfach ist, wenn er nicht die ganzen Zugangsdaten&Co hat.


    Wegen Contentfilter, fällt mir spontan K9 ein.


    Cu Selur

  • Zitat von Selur

    Whitelists hab ich bis dato (für Firmen) immer nur auf Routerbasis eingeführt, soweit ich mich entsinne gibt es aber auch einige 'Software'-Router die Whitelists&Co unterstützen.


    Mit dem Router (irgendein Speedport) wird sich nicht viel machen lassen - ich meine zwar, da im Setup mal irgendwas "Jugendschutz"-mäßiges gesehen zu haben; das gilt dann aber glaube ich auch nur global für alle und basiert auch auf Blacklisting bzw. Keyword-Filtern.


    Zitat von Selur


    Wenn er clever ist, resettet er das Bios, stellt dann Bootbeschränkung aus, knackt als nächstes Windows


    Nein, ich glaube das kriegt er nicht hin. :) Das Board hat meines Wissens auch keinen Clear-CMOS-Jumper, mit dem man das simpel bewerkstelligen könnte.


    Zitat von Selur

    Wegen Contentfilter, fällt mir spontan K9 ein.


    Danke, schaue ich mir mal näher an. Wobei mir


    Zitat

    These categories are stored in the master Blue Coat database, through which we maintain and update more than 15 million ratings of websites and domains.

    auf den ersten Blick aussieht, als sei das auch "nur" ein normaler Content-Blacklist-Filter.

  • Es gibt verschieden Elternkontrollprogramme für Windows. Gab vor längere Zeit auch einen Bericht darüber in der c't .
    Diese Programme sind in der Lage ein Zeitkontigent einzurichten und eine White- oder Blackliste zu führen.


    Deine Gedanken gehen aber in einer ganz falsche Richtung. Das Problem lässt sich nicht mit Software lösen.
    Schütze den Rechner vor der Unbefangenheit eines Heranwachsenden durch begrenztes Benutzerkonto, einem guten Virenscanner und fertig.


    Durch Beschränkungen und Verbote macht man was nur interessanter. Was er zuhause nicht kann/darf macht er dann bei Freunden.
    Auch mit der Zeitbeschränkung ist so eine Sache. Hat er das Gefühl einen Mangel zu haben, wird er alles versuchen diese Zeitbeschränkungen zu umgehen. Verbiete einem Süssigkeiten und er wird sich jedes einzelne Bonbon ergaunern. Kann er jederzeit Süssigkeiten haben, verliert man die Lust daran und muss nicht mehr jedes Bonbon lutschen.

  • Zitat von Gleitz

    Durch Beschränkungen und Verbote macht man was nur interessanter. Was er zuhause nicht kann/darf macht er dann bei Freunden


    Grundsätzlich ist das selbstverständlich so, und ich denke jeder kennt das auch noch aus seiner eigenen Kindheit. Z.B. werden wohl die wenigsten tatsächlich 18 gewesen sein, als sie das erste Mal Pornografie oder ähnliches, in dem Alter verbotenes, in der Hand hatten, und um "Rauchen und Bier ab 16" (bzw. mittlerweile ab 18) hat sich erfahrungsgemäß auch nie jemand wirklich geschert.


    Trotzdem finde ich einen freien Internet-Zugang in dem Alter nicht OK - mal abgesehen davon, dass er noch jüngere Geschwister hat, die da mit Sicherheit auch mal dransitzen werden.
    Es geht auch nicht nur um Pornos & Co., sondern auch um Nepper, Schlepper, Bauernfänger. In dem Alter ist man noch so naiv bei einer Anzeige: "HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH - SIE HABEN 1000 € IN BAR GEWONNEN!!!!!! KEIN SCHERZ!!!!!!!!!!" persönliche Daten anzugeben und damit irgendeinen dubiosen Vertrag bei irgendwelchen Bauernfängern abzuschließen.
    Er sitzt momentan ab und zu am Rechner seines Vaters und hat sich bisher schon zweimal für irgendwelche Abos etc. angemeldet - glücklicherweise nur bei Bertelsmann (Buchclub oder so) und noch irgendeinem anderen, offenbar seriösen Anbieter. Da war die Sache nach einem schriftlichen Widerruf seines Vaters kommentarlos erledigt - das sieht allerdings bei diversen Abzocker-Kollegen ganz anders aus...


    Dass so ein Vertrag selbstverständlich (insbesondere wenn er von einem Minderjährigen geschlossen wurde) nichtig ist ist schon klar, kann aber mächtig Streß nach sich ziehen, wenn man da an die richtigen Leute mit ihrem Abmahn-Team etc. gerät. Unter anderem wird da im Falle eines Vertragsschlusses mit Minderjährigen immer gerne mit "Aufsichtspflicht-Verletzung" argumentiert - was Blödsinn ist und soweit ich weiß auch schon mehrmals vor Gericht sang- und klanglos untergegangen ist. Den Streß hat man aber trotzdem, und diese Leute haben erstmal persönliche Daten...


    Nächstes Problem: Filesharing, illegale Musik- und Video-Downloads etc. "Macht jeder und kann nix passieren" - glaubt man denke ich insbesondere in dem Alter.
    Nicht, dass ich in irgendeiner Form die saudämlichen, dreisten "Raubkopierer sind Verbrecher und gehören im Gefängnis vergewaltigt"- Kampagnen etc. der Musikindustrie unterstützen oder gutheißen würde, allerdings kenne ich einen Fall aus meinem Bekanntenkreis, wo tatsächlich nach ein paar Bittorrent-Aktivitäten plötzlich die Polizei vor der Tür stand.
    Resümee: Rechner beschlagnahmt bzw. eingezogen (hat er nicht wiederbekommen, Hardware im Wert von ca. 800 €), um die 3.000 € Geldstrafe und noch ein paar Sozialstunden im Jugendhaus obendrauf - alles wegen 30 freigegebenen MP3s.
    Und ich denke, die Musik-/Filmindustrie wird sich schon irgendwas ausgedacht haben, dass man auch bei Aktivitäten Minderjähriger irgendwen irgendwie dafür drankriegt (Stichwort "Mitstörerhaftung" etc.)



    Alles in allem halte ich es somit definitiv für zu gefährlich, Kinder bzw. Jugendliche in dem Alter einfach so drauflossurfen zu lassen. Du hast natürlich recht - wenn ers zuhause nicht kann, macht ers woanders. Dann liegt das aber wenigstens nicht mehr in der absolut unmittelbaren Verantwortung seiner Eltern. Und kein Moralapostel kann mit erhobenem Zeigefinger und "SIE haben doch wohl nicht etwa IHREM MINDERJÄHRIGEN KIND erlaubt..."-Sprüchen wegen irgendwas ankommen.



    Zitat von Gleitz

    Auch mit der Zeitbeschränkung ist so eine Sache. Hat er das Gefühl einen Mangel zu haben, wird er alles versuchen diese Zeitbeschränkungen zu umgehen. Verbiete einem Süssigkeiten und er wird sich jedes einzelne Bonbon ergaunern. Kann er jederzeit Süssigkeiten haben, verliert man die Lust daran und muss nicht mehr jedes Bonbon lutschen.


    Leider nicht zwingend... gib einem 22jährigen World of Warcraft, und möglicherweise versaut er sich damit seine Ausbildung und wird von seiner Freundin nach einer langjährigen Beziehung verlassen, weil er Tag und Nacht davorsitzt, sich fast sein ganzes Leben um diesen Scheiß dreht und er von nichts anderem mehr redet - selber so bei einem Freund erlebt. Und der ist erwachsen und bei weitem kein Einzelfall.


    Oder Rauchen: Wenn man einmal richtig angefangen hat, ist es verdammt schwer, wieder aufzuhören - eigene Erfahrung...